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Wasser – das vernachlässigte Futtermittel

Wer über Hundefutter spricht, meint in der Regel die Aufnahme von Proteinen, Fett, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Vitaminen. Vollkommen vernachlässigt wird dabei häufig einer der wichtigsten Nährstoffe überhaupt: das Wasser. Gerade in der heißen Jahreszeit sollte man diesem Nahrungsmittel jedoch besondere Aufmerksamkeit entgegenbringen.

Was sind die Funktionen von Wasser?

Es zweifelt wohl kaum jemand daran, wie wichtig Wasser ist. Und jeder kennt es sicherlich von sich selbst, dass man Kopfschmerzen oder Schwindel bekommt, wenn man unzureichend trinkt. Auch dürfte jedem bekannt sein, dass man deutlich kürzer ohne Wasser als ohne feste Nahrungsmittel aushält. Ganz einfach gesagt: ohne Wasser wird das Blut dick und die Nährstoffe kommen nicht mehr dort an, wo sie gebraucht werden. Der Körper, der zu einem großen Teil aus Wasser besteht, trocknet aus und kann seine ganz alltäglichen Funktionen nicht mehr durchführen. Eine Zeitlang kann der Körper das kompensieren, aber auf kurz oder lang sterben einzelne Zellen ab und am Ende der ganze Körper.

Wie funktioniert das mit dem Durst?

Durst entsteht dann, wenn der Körper Flüssigkeit verliert. Es wird hormonell und durch verschiedene Elektrolyte gesteuert. Sehr fein abgestimmte Systeme im Körper reagieren, sobald mehr Urin produziert wird, Flüssigkeiten über den Darm verloren gehen oder auch beim Hecheln und Schwitzen. Viele Krankheiten wie z.B. Cushing, Diabetes mellitus oder die chronische Niereninsuffizienz beeinflussen diese Systeme und verursachen einen höheren Durst und dann auch eine höhere Wasseraufnahme.

Bei Hunden konnte gezeigt werden, dass der Verlust von 0,5 – 1 % des Gesamt­wasser­haus­halts notwendig ist, bis sie durstig werden, d.h. aktiv nach Wasser suchen. Als Vergleich: von einer milden De­hydra­tation (Austrocknung) sprechen wir von Flüssig­keits­ver­lusten von etwa 5 %. Man sieht also, dass der Körper sehr früh reagiert, um Flüssigkeitsverluste und damit einen lebens­gefährlichen Zustand zu vermeiden.

Wie viel soll ein Hund denn nun trinken?

Generell sollte Hunden zuhause jederzeit ein Napf mit frischem Wasser zur Verfügung stehen. Davon abgesehen, beeinflussen viele unterschiedliche Faktoren die empfohlene Wassermenge. Hierzu zählen u.a. das Lebensalter und die Leistung (laktierend, Sport, Wachstum), die Fütterungsart, aber auch die Umgebungstemperatur. Die Grundmenge leitet sich von einem erwachsenen Hund ab, der den größten Teil seines Tages innerhalb einer Wohnung ruht, bei einer Raumtemperatur von 20-25 °C. Solch ein Hund braucht täglich im Durchschnitt 50 – 60 ml Wasser / kg Körpergewicht. Bevor jetzt jeder erschrickt, weil der eigene Hund nie so viel aufnimmt: man darf hierbei natürlich die Fütterungsart nicht vergessen. Ein Hund, der nur Trockenfutter frisst, nimmt mit dem Futter natürlich deutlich weniger Wasser auf als ein Hund, der gebarft wird oder Dosenfutter frisst.

FuttermengeFlüssigkeit im FutterWasserbedarf
[g][ml][ml]
Trockenfutter
(9% Feuchte)
14013487 – 587
Feuchtfutter
(81% Feuchte)
55044655 – 155
BARF (3% vom KGW,
ca. 70% Feuchte)
300210290 – 390
Wasserbedarf eines 10 kg Hundes (Grundbedarf 50 – 60 ml / kg KGW) in ml in Abhängigkeit von der Fütterungsart

Die Tabelle zeigt wie sehr der Wasserbedarf eines Hundes von der Fütterungsart abhängt. Ein 10 kg Hund benötigt durchschnittlich 500 – 600 ml Wasser pro Tag. Bei der Fütterung mit Trockenfutter nimmt er pro Tag über das Futter lediglich 13 ml Wasser zu sich, während er bei der Fütterung mit Feuchtfutter oder BARF eine deutlich höhere Menge Wasser aufnimmt. Der tatsächliche Feuchtigkeitsgehalt einer BARF Ration variiert natürlich enorm in Abhängigkeit von der genauen Zusammensetzung. An Tagen, an denen Knochen gefüttert werden, wird z.B. weniger Wasser aufgenommen als an Tagen, an denen Fleisch zusammen mit Gemüse gefüttert wird. Zum anschaulichen Vergleich habe ich daher mit einem durchschnittlichen Wassergehalt von 70 % gerechnet.

Andere Faktoren, die Einfluss nehmen auf die Wasseraufnahme, sind die Menge an Salz, Protein und Kohlenhydraten im Futter. Je mehr davon enthalten ist, desto größer wird der Durst. Fett hingegen nimmt keinen Einfluss auf die Wasseraufnahme.

Wie sieht die Wasseraufnahme außerhalb der Norm aus?

Jeder von uns kennt es: wenn man Sport macht, hat man mehr Durst. Hunden geht es nicht anders. In Studien konnte gezeigt werden, dass Hunde nach Abschluss sportlicher Aktivitäten zwar Wasser aufnehmen, dass dies jedoch nicht ausreichend ist, um den Wasserverlust auszugleichen. Bietet man ihnen allerdings Wasser während der Aktivität an, nehmen sie mindestens die Menge an Wasser auf, die sie auch verloren haben.

Gibt man Hunden vor der Durchführung einer sportlichen Aktivität (z.B. vor der 30 minütigen Fahrradstrecke ins Büro oder vor Einsätzen bei Rettungshunden) 10-20 ml Wasser / kg KGW, dann reduziert es das Trinken während der Aktivität deutlich oder hebt es sogar vollends auf. Unterm Strich sind diese Hunde während und nach der Anstrengung besser mit Wasser versorgt als Hunde, die nur während oder nach einer Anstrengung Wasser bekommen.

Ebenfalls recht generell gilt zu sagen, dass sich der Wasserbedarf pro Tag verdoppelt bei 2 h Aktivität. Gemeint ist deutliche Aktivität wie eine Bergtour, ein Schlittenhunderennen oder ein Rettungshundeeinsatz.

Wie sieht es denn nun aus mit der Wasseraufnahme bei sommerlichen Temperaturen?

Ganz allgemein kann man sagen, dass man starke Bewegung in der sommerlichen Hitze vermeiden sollte. Fahrradfahren zählt hierzu genauso wie Bällchenspielen, aber auch exzessives Schwimmen. Hunde, die einen Job haben wie z.B. Rettungshunde oder Polizeihunde sollten durchaus auch in der Hitze trainiert werden, da Einsätze nicht unbedingt vor sommerlichen Temperaturen Halt machen. Kennt ein Hund Bewegung in der Hitze allerdings nicht, kennen er und sein Hundeführer seine Grenzen nicht. Natürlich gilt aber auch hier: dem Ausbildungstand des Hundes angepasstes Training, deutlich kleinere Trainingseinheiten und vor allem Wasser vor der Arbeit, Wasser während der Arbeit und Wasser nach der Arbeit!

Der Wasserbedarf eines Hundes in Ruhephasen steigt bei Temperaturen über 30°C um 6 ml / kg metabolisches Körpergewicht (KGW kg0,75) / Tag / °C an. Die nachfolgende Tabelle stellt den Bedarf eines 10kg Hundes bei verschiedenen Temperaturen dar. Sobald sich dieser Hund in der Hitze bewegt, erhöht sich der Wasserbedarf natürlich noch einmal.

Temparatur [°C]31343740
Wasserbedarf [ml]534 – 634635 – 735736 -836837 – 937
Wasserbedarf eines 10 kg Hundes in Ruhe bei unterschiedlichen Temperaturen

An dieser Stelle gilt natürlich zu bedenken, dass es sich der Hund dauerhaft in den Temperaturen aufhalten muss. Wenn es draußen 40°C hat, sich der Hund aber vernünftigerweise den ganzen Tag drinnen bei Temperaturen von 24-27°C aufhält, braucht er selbstverständlicher keinen knappen Liter Wasser zu trinken.

Die Tabelle zeigt jedoch auch sehr anschaulich, warum Hunde im Sommer im Auto so leicht und schnell dehydrieren.

Es ist sicherlich interessant auszurechnen, ob der eigene Hund im Sommer genügend Wasser aufnimmt, trotzdem besteht kein Grund, den ganzen Tag panisch hinter dem Hund herzurennen und ihn zum Trinken zu nötigen. Es konnte gezeigt werden, dass Hunde auch bei Hitze genügend Wasser aufnehmen, wenn es ihnen angeboten wird. Wer sich dennoch sorgt, kann die Mahlzeiten mit etwas Wasser versetzen oder zwischendurch kleine Mengen Wasser mit Geschmack, z.B. mit einem kleinen Schuss Milch, einem Teelöffel Leberwurst oder Gemüsesaft versetzt, anbieten.

Kann man auch zu viel Wasser trinken?

Auch die Angst vor der Wasserintoxikation macht gerade in den Sommermonaten immer wieder die Runde. Unter Wasserintoxikation versteht man die Aufnahme von so großen Mengen Wasser, dass der Körper dies nicht mehr regulieren kann. Es kommt zu einem Entgleisen des Elektrolythaushalts und letzten Endes zum Platzen von Zellen. Da hier besonders häufig Zellen des Nervensystems betroffen sind, haben diese Hunde meist neurologische Symptome. Bei Hunden tritt dieses Phänomen dann auf, wenn sie über längere Zeit kein Wasser bekommen haben und deswegen dann extrem große Mengen aufnehmen. Einem Hund, dem immer ein Napf mit frischem Wasser zur Verfügung steht, kann das nicht passieren. Ein Hund, der schon so dehydriert ist, dass er Schwindel oder Bewusstlosigkeit zeigt, sollte ohnehin umgehend bei einem Tierarzt vorgestellt werden.

Fazit

Um gut durch den Sommer zu kommen, sollte man folgende Punkte berücksichtigen:

1. Immer frisches Wasser zur Verfügung stellen.
2. Spaziergänge in der höchsten Hitze meiden, v.a. mit hochtriebigen und kurznasigen Hunden.
3. Anstrengende Aktivitäten wie Fahrradfahren, Wurfspiele und anderen Freizeitsport in der Hitze meiden.
4. Dem Hund stets Schatten anbieten, auch wenn man selbst am See am liebsten in der Sonne bratet. Sehr treue oder anhängliche Hunde verbrennen lieber, bevor sie ihren Besitzer alleine lassen.
5. Wenn sich sportliche Aktivitäten nicht vermeiden lassen, davor zusätzliches Wasser anbieten und auch während der Aktivität Wasser, am besten mit Geschmack, anbieten.

Quellen:

Baker, M. A. (1984). Cardiovascular and respiratory responses to heat in dehydrated dogs. American Journal of Physiology-Regulatory, Integrative and Comparative Physiology, 246(3), R369-R374.

Blood, D.C., Henderson, J.A., and Radostits O.M. (1979). Veterinary Medicine, Fifth Edition. Philadelphia: Lea & Febiger

Cowley Jr, A. W., Skelton, M. M., Merrill, D. C., Quillen Jr, E. W., & Switzer, S. J. (1983). Influence of daily sodium intake on vasopressin secretion and drinking in dogs. American Journal of Physiology-Regulatory, Integrative and Comparative Physiology, 245(6), R860-R872.

Golob, P., O’Connor, W. J., & Potts, D. J. (1984). Increase in weight and water retention on overfeeding dogs. Quarterly Journal of Experimental Physiology: Translation and Integration, 69(2), 245-256.

NRC (2006). Nutrient Requirements of Dogs and Cats

O’Connor, W. J. (1975). Drinking by dogs during and after running. The Journal of physiology, 250(2), 247-259.

Robinson, E. A., & Adolph, E. F. (1943). Pattern of normal water drinking in dogs. American Journal of Physiology-Legacy Content, 139(1), 39-44.

Schaer, M. (1989). General principles of fluid therapy in small animal medicine. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 19(2), 203-213.

Dr. med. vet.
Stephanie Schmitt

Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung für Kleintiere, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik

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